Johannesbad Schmerz-Newsletter | Dez 2016
    Fachinformationen für Ärzte und Therapeuten

     

    Schneller weniger Schmerzen

    Rehabilitation: Beobachtungsstudie der Johannesbad Fachklinik Bad Füssing zeigt Erfolg des Stufenschemas bei der Medikamentengabe 

    Bad Füssing. Die Ausgangssituation: Knie oder Hüfte sind operiert; der Patient kommt zur Anschlussheilbehandlung in eine Rehabilitationsklinik. Oft ist die Wundheilung zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abgeschlossen, die betroffenen Gelenke für die Therapie nicht ausreichend belastbar. Das birgt Risiken für den Erfolg der Rehabilitation.

    Bei der Johannesbad Fachklinik Bad Füssing geht man deshalb jetzt neue Wege: Eine Stufen-Medikation macht den Beginn der Therapie auch in einer solchen Situation für den Patienten möglich und führt zu sehr guten Therapieerfolgen. Das belegt die aktuelle Beobachtungsstudie der orthopädischen Abteilung im Johannesbad. Die Studie wurde zudem erst kürzlich beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin vorgestellt.

    Dabei wurde ein Therapie-Algorithmus zur stufenweisen Gabe der Schmerzmedikamente entwickelt und im Haus implementiert; diese Methode wird in Akut-Krankenhäusern bereits erfolgreich angewandt, in der Rehabilitation ist sie neu. 

    Kurz nach der OP in die Reha

    „Mehr als ein Drittel aller medizinischen Rehabilitationsleistungen folgen unmittelbar auf einen Krankenhausaufenthalt. Nach Erhalt eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks kommen Patienten bereits nach fünf bis zehn Tagen in die Rehaklinik“, so Professor asoc. Dr. med. Astrid Krückhans, Chefärztin der Abteilung Orthopädie im Johannesbad. „Wir haben in einer Beobachtungsstudie untersucht, ob sich die Schmerzsituation nach endoprothetischem Knie- oder Hüftgelenksersatz in der Rehabilitation durch die Einführung eines Algorithmus zur oralen Schmerztherapie verbessern lässt“, berichtet die Chefärztin. 

     

    Die orthopädische Abteilung hat zunächst bei 128 Patienten nach endoprothetischer Operation die Schmerzparameter in Ruhe- und Belastungszustand gemessen. Dies erfolgte sowohl zu Beginn als auch zum Ende der Rehabilitationsmaßnahme. Anschließend entwickelten und implementierten Professor asoc. Astrid Krückhans und Dr. Thomas Schricker, leitender Oberarzt der orthopädischen Abteilung, einen Therapie-Algorithmus, der ein stufenweises Vorgehen vorsieht. Dieses orientiert sich, ausgehend von einer Standardtherapie mit nicht steroidalen Antirheumatika, an Kontraindikationen, die sich aus den Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen von Medikamenten ergibt. 

    Nach diesem neu entwickelten Schema behandelten sie 206 Patienten. Bei diesen wurden wie bei der ersten Gruppe die Schmerzparameter im Ruhe- sowie im Belastungszustand gemessen. „Stellt man die beiden Gruppen einander gegenüber, zeigt sich bei beiden eine Verbesserung sowohl im Ruhe- als auch im Belastungsschmerz im Verlauf der Rehabilitationsmaßnahme“, so Dr. Thomas Schricker. Der leitende Oberarzt weiter: „Der Wert beim Ruheschmerz ist bei den nach Therapie-Algorithmus behandelten Patienten am Ende sogar signifikant niedriger als der der Kontrollgruppe.“ Für den Effekt im Belastungsschmerz ließ sich  ein geringerer Unterschied erkennen. Die Johannesbad Fachklinik Bad Füssing setzt den implementierten Therapie-Algorithmus in der Schmerztherapie seit Anfang 2016 erfolgreich um.

    Positiver Effekt in der Therapie

    „Wir haben festgestellt, dass der Patient in der Rehabilitation schneller weniger Schmerzen hat, wenn wir die Schmerztherapie nach einem standardisierten Stufenschema durchführen“, resümiert Professor asoc. Astrid Krückhans. Das wirke sich positiv auf die Therapie und damit auf den Erfolg der Anschlussheilbehandlung aus. „Denn Patienten, die ihre Übungen möglichst schmerzfrei absolvieren können, sind auch motivierter, an ihrer Rehabilitation zu arbeiten“, ergänzt Dr. Thomas Schricker. 

    Entscheidungshilfe für Ärzte 

    „Das Stufenschema ist gleichzeitig eine gute Entscheidungshilfe für den verordnenden Arzt“, berichtet der verantwortliche Oberarzt. Die klaren Handlungsanweisungen, auf die Akutkrankenhäuser bereits seit einigen Jahren setzen, erleichtern die Therapie und die Verordnung. Mit dem festgelegten Therapie-Algorithmus wird eine Über- oder Unterdosierung vermieden. „Im nächsten Schritt werden wir prüfen, ob die Verwendung des Schemas zu einer veränderten Morbidität führt“, so Professor asoc. Astrid Krückhans. 

    Dr. med. T. Schricker/Prof. asoc. Dr. med. A. Krückhans


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